RUND UM DIE PRAXIS

Prop-Review: „Trigger Point“-Paket Regeneration (Myofasciale Therapie)

Myofascialer Therapie verspricht, den Körper komplett zu entspannen, muskuläre Dysbalancen zu beseitigen und die Muskulatur leistungsfähiger und verletzungsresistenter zu machen. Dieses Paket von Trigger Point soll laut Hersteller alles enthalten, wann man für die Selbstmassage benötigt.

VON NICO JURRAN | 19. AUGUST 2014

Kategorie:   Komplettset für myofasciale Therapie
Hersteller:   Triggerpoint Performance
Vertrieb:   Transatlantic Fitness
Website:   www.transatlantic-fitness.com

Wer damit begonnen hat, sich mit myofaszialer Therapie zu beschäftigen, stellt sich in der Regel bald die Frage, wie er damit selbst am besten Verspannungen und Schmerzen beseitigen kann. Der übliche Einstieg läuft über eine Hartschaumrolle, mit der man mit Hilfe des eigenen Körpergewichts Druck auf Verhärtungen in der Skelettmuskulatur ausübt. Diese auch Pilates-Rollen und Foam Roller genannten Selbstmassagerollen gibt es verschiedenen Größen und Härtegraden – darunter auch unter der Bezeichnung „The Grid“ als harte Röhre mit weicherer Außenschicht vom texanischen Unternehmen Trigger Point Performance (TP).

   

Die Foam Roller sind nach meiner Erfahrung sehr hilfreich. Daneben hat TP aber noch einige spezielle Produkte für die Triggerpunkt-Therapie im Sortiment, mit denen man sehr gezielt auf kleine, lokal begrenzte Muskelverhärtungen einwirken kann. Im Paket „Regeneration“ soll der Kunde alles finden, um mit myofascialer Therapie komplett zu entspannen, alle muskulären Dysbalancen zu beseitigen und die Muskulatur leistungsfähiger und verletzungsresistenter zu machen. Der deutsche Distrubutor Transatlantik Fitness war so nett, mir dieses Paket für einen Test zukommen zu lassen.

 

Das Paket

Konkret enthält es die in der folgenden Tabelle aufgeführten Teile. Sind diese auch einzeln erhältlich, so habe ich den Einzelpreis in Klammern dahintergeschrieben. Für das Paket zahlt man insgesamt rund 175 Euro – und spart man gegenüber dem Einzelkauf laut Hersteller 25 Euro. Mitgeliefert wird ein kleiner Beutel, sodass man die Bestandteile des Pakets gut verstauen und transportieren kann. Das Set bekommt man ohne den Foam Roller unter dem Namen „Hip And Lower Back Kit“ für rund 160 Euro.

Inhalt des Pakets
Hip And Lower Back Kit 159,90 Euro
  2 × TP Massage Ball   (zusammen 39,80 Euro)
  1 × Footballer   (kein Einzelverkauf)
  1 × Quadballer   (59,90 Euro)
  1 × Baller Block   (kein Einzelverkauf)
  2 × DVD   (kein Einzelverkauf)
The Grid (Foam Roller) 39,90 Euro

 

Erster Blick

Generell fällt zunächst die hohe Verarbeitungsqualität: So ist die Stoffbespannungen von Foot- und Quadballer (nötig, weil man dort beispielsweise mit dem Fuß oder Bein rüberrutscht) etwa sehr gut vernäht, die montierten Räder sitzen richtig fest. Man merkt den Produkten an, dass sie auch für den dauerhaften Studioeinsatz hergestellt wurden.

tp-ball

Beim ersten Blick auf die einzelnen Teile fragte ich mich, ob die Tennisball-großen Massage-Bälle nicht überflüssig sind. Wieso sollte man nicht gleich einen Tennisball nehmen? Tatsächlich geben die harten Massagebälle von TP aber praktisch nicht nach — ein wichtiger Punkt, wenn man gezielt Druck auf einen Triggerpunkt ausüben will.

footballer

Beim Footballer mit seinem Innenmaß von gerade einmal rund 11,5 cm Breite war mir das Einsatzgebiet zunächst nicht so recht klar. Tatsächlich lässt sich damit allerdings der untere Wadenbereich sehr gut bearbeiten. In diesem Zusammenhang macht auch der mitgelieferte Block Sinn. Mit dem Quadballer lässt sich wiederum – der Name lässt es erahnen – geziehlt der Quadrizeps bearbeiten, also dervierköpiger Beinstecker an der Vorderseite des Oberschenkels. Sehr wichtig ist in diesem Zusammenhang die mitgelieferte DVD „Performance Therapy For Hip & Lower Back“, auf denen man die passenden Übungen findet.

Der Foam Roller

Ich hatte vor diesem Test bereits kurz „The Grid 2.0“ mit einer Länge von 66 cm ausprobiert – und fand das Teil vor allem recht schwer. Der normale „The Grid 2.0“ aus dem Set mit einer Länge von 33 cm (bei gleichem Durchmesser von 13,5 cm) ist aber wirklich handlich. Darüber, inwieweit die Einkerbungen (siehe Abbildung rechts) etwas an Triggerpunkten ausrichten, kann man aber sicher streiten. Wirklich interessant fand ich diesbezüglich übrigens den „The Grid Mini“ für rund 30 Euro, den ich neben dem Paket bekommen habe. Das Teil ist nur 10 cm lang (wiederum bei 13,5 cm Durchmesser), sodass ich darauf sehr exakt mit einem Bein „herumrollern“ kann. Und hier meine ich auch einen Unterschied zwischen den glatten und den geriffelten Bereichen zu spüren.

 

Die DVDs

Im Paket befinden sich zwei DVDs, darunter eine ältere Produktion (noch im 4:3-Bildformat), in der der TP-Gründer und -CEO Cassidy Phillips erklärt, wie eine muskuläre Dysfunktion an den Füßen letztlich zu einem Bandscheibenvorfall im LWS-Bereich führen kann. (An dieser Stelle habe ich wirklich geflucht: Mein Vorfall vor einigen Jahren war praktisch ein Musterbeispiel würde diese Entwicklung – mit Schmerzen in verschiedenen Regionen, die scheinbar nichts miteinander zu tun hatten.) Weiterhin bekommt man auf der Scheibe allgemeine Tipps, wie man muskuläre Probleme durch einen gesünderen Lebensstil verhindert.

DVDs

Die bereits angesprochene zweite DVD enthält gezielte Übungen für Hüfte und unteren Rücken – einmal mit einer ausführlicheren Erklärung und einmal in einer kürzeren Fassung, damit man sich nicht immer alles von vorne anhören muss. Die Ausführungen sind verständlich, die Kameraeinstellungen gut gewählt – sodass man auch versteht, wo man etwa den Massageball platzieren muss. An manchen Stellen hätte ich mir aber Erklärungen zu den einzelnen Triggerpunkten gewünscht.

Von TP gibt es übrigens weitere DVDs mit Übungen, die die Produkte aus dem Paket ebenfalls verwenden – etwa für Menschen mit Knieproblemen. Bedauerlich ist, dass alle Videos nur in englischer Sprache und ohne Untertitel auf den DVDs zu finden sind. Zwar spricht Phillips ein gut verständliches Englisch, dennoch dürfte einigen deutschsprachige Anwender der Zugang zu den Inhalten damit erschwert werden.

 

Fazit

Die Bewertung des Pakets ist nicht einfach. Ein Foam Roller sollte sich meiner Meinung nach generell jeder anschaffen, der mit Rückenschmerzen – vor allem im LWS-Bereich – zu kämpfen hat. Und „The Grid“ ist sein Geld auf jeden Fall wert. Die Triggerpunkt-Behandlung geht über diesen allgemeinen Ansatz natürlich hinaus. Positiv stechen hier zunächst die Massagebälle heraus, die tatsächlich für punktuelle Arbeit geeignet sind.

Bei den beiden Rollern samt Block ist meiner Meinung nach wichtig zu beachten, dass Übungen damit ein wenig mehr Konzentration erfordern. Rolle und Bälle kann man nach meiner Erfahrung einfach besser „mal zwischendurch“ in den Alltag einbauen. Für alle, die jedoch konzentriert an allen Punkten arbeiten möchten (oder müssen), ist die Anschaffung auch dieser Teile sinnvoll.

Womit wir beim Paket wären, dessen Preis zweifellos nicht niedrig ist – aufgrund der hohen Qualität der Produkte aber auch nicht völlig überdreht. Man erhält vielmehr, wie bereits angesprochen, Studiostandard.

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